Interview: Brückenbauer zwischen Forschung und Patienten

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. h. c. Sven G. Meuth, Direktor der Klinik für Neurologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Prof. Meuth, Sie sind im Oktober 2020 nach Düsseldorf gekommen. In Ihrer Zeit in Münster waren Sie Leiter für die klinische und experimentelle Forschung am Institut für Translationale Neurologie, stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie und nicht zuletzt Prodekan für Forschung und später Dekan der Medizinischen Fakultät Münster. Diese Liste könnte man sogar noch mit zahlreichen Mitgliedschaften in Fachgremien und -gesellschaften sowie vielen Preisen und Auszeichnungen erweitern. Haben Sie vielleicht einen Zwillingsbruder, der Ihnen hilft?

Meuth (lacht): Nein, nicht, dass ich wüsste. Ich habe einfach den Beruf gefunden, der mir wirklich Spaß macht. Das hängt damit zusammen, dass man im Kontext der Universitätsmedizin ja verschiedene Berufe haben kann: Man ist natürlich in erster Linie Arzt und für Patienten zuständig, man ist aber auch Wissenschaftler und kann sich mit interessanten Fragen beschäftigen, die wiederum zu einer besseren Patientenversorgung führen. Hinzu kommt der Beruf des Lehrers, der mit der Ausbildung von Studierenden oder Assistenzärzten und -ärztinnen betraut ist.

Was haben Sie sich für die neue Aufgabe als Direktor der Neurologie am UKD vorgenommen?

„Wir müssen die Rahmenbedingungen, die wissenschaftliche Arbeit und auch die Versorgungsqualität für unsere Patienten kontinuierlich verbessern. Das ist unsere Aufgabe. Denn wenn man plötzlich selber Patient würde, wäre man doch froh, wenn sich Menschen derart engagieren wie dies in allen Berufsgruppen am UKD der Fall ist“, sagt er. Sein persönlicher Antrieb sei, dass alles jeden Tag ein Stück besser werden könne. An dieser Stelle lacht er wieder und ergänzt: „Das hat Jürgen Klinsmann damals auch als Trainer des 1 FC Bayern München gesagt, als er da anfing. Sein Ziel ist, dass jeder Spieler jeden Tag etwas besser wird. Er hatte da zwar keine so lange Halbwertzeit, aber das Prinzip ist schon das richtige.“

Vielleicht wird an dieser Stelle auch ein Stück das Prinzip Sven Meuth erkennbar: Wenn er über seine Arbeit, seine Erfolge und die ganz großen Themen redet, die ihn beschäftigen, fügt er zwischendurch oft kleine Querverweise oder Anekdoten wie die aus dem Bereich Fußball ein. Und dann sitzt da plötzlich nicht mehr der hochdekorierte Professor und international renommierte Neurologe. Sondern einfach nur der sehr zugängliche und bodenständige Gesprächspartner Sven Meuth, gebürtiger Hesse, der seit 2010 mit seiner Familie in Münster lebt und sich darüber freut, seinen Leidenschaften Medizin und Forschung in Düsseldorf folgen zu dürfen.

Das sind ambitionierte Ziele. Wie sehen Sie die Ausgangssituation in Ihrer Klinik?

Mein Vorgänger, Herr Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, ist ein weltweit anerkannter Neuroimmunologe, der mir eine sehr leistungsfähige Einrichtung übergeben hat. Diese gilt es nun zum Wohle unserer Patienten weiterzuentwickeln. Dabei ist es mir wichtig, auch persönlich viel Kontakt zu Patienten zu haben, um Patientenversorgung und Forschung sehr verzahnt zu betreiben. Schließlich sollen die Patienten schnellstmöglich von neuen Erkenntnissen profitieren.

Was fasziniert Sie an der Neurologie als Fach?

„Ich habe schon zu Schulzeiten sehr klar gemerkt, dass mir naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie und Chemie besonders liegen“, erzählt Sven Meuth von den Anfängen seiner Leidenschaft für Medizin. Im Laufe des Medizinstudiums sei ihm dann beim Physikum bewusstgeworden, dass ein bestimmtes Organ eine besondere Faszination auf ihn ausübe: das Gehirn. „Es ist das Organ, das im Krankheitsfall versucht, sich selbst zu verstehen – eine fast schon witzige Konstellation“, sagt er. Die Entscheidung für seine Fachrichtung stand also früh fest, es sollte auf jeden Fall „Neuro“ sein. Ob Neurologie oder Psychiatrie sei allerdings zunächst noch nicht klar gewesen. Nur Neurochirurgie konnte er ausschließen – „aufgrund der fehlenden handwerklichen Geschicklichkeit“, wie er lachend erklärt.

Am Ende des Gesprächs bleibt der Vollständigkeit halber noch die Frage, mit was Sie sich in Ihrer Freizeit beschäftigen?

„Die gehört zu 100 Prozent meiner Familie“, betont er sofort. „Jetzt auch noch ein zeitaufwändiges Hobby zu haben, wäre ziemlich unfair“, fügt er hinzu. Wie seine Frau und seine beiden Töchter spiele er allerdings Tennis, das sei ein schönes „verbindendes Element“. An dieser Stelle macht er wieder eine Nebenbemerkung, mit der er seinen Status als Erfolgsmediziner sympathisch konterkariert: Seine große Tochter werde bald 13. „Erschreckenderweise kommt jetzt wohl bald der Tag, an dem ich das erste Mal gegen sie verliere“, gibt er lachend zu.

Neben diesem Interview finden Sie auch ein Video mit Prof. Dr. Dr. Dr. Sven Meuth auf dem YouTube Kanal der Uniklinik Düsseldorf:
www.youtube.com/watch?v=Gf66HcQjZMw

Quelle: Düsseldorfer ms-post