Eine aktuelle Cell-Arbeit greift ein seit Jahren diskutiertes epidemiologisches Paradox auf: Menschen mit Krebs scheinen seltener an Alzheimer zu erkranken, und umgekehrt. Die Studie zeigt nun in mehreren Mausmodellen, dass periphere Tumoren die Amyloid-Pathologie im Gehirn abschwächen und kognitive Leistungen verbessern können. Untersucht wurden dabei unterschiedliche Tumormodelle, darunter Lungen-, Prostata- und Kolonkarzinom-Modelle, was dafür spricht, dass es sich nicht nur um einen tumorspezifischen Einzeleffekt handelt.
„Krebs und Alzheimer – ein überraschender Zusammenhang “ weiterlesenBotulinumtoxin in Deutschland: Zugang ist da – Versorgungslücke bleibt
Botulinumtoxin A (BoNT-A) ist eine etablierte, hochwirksame Therapie in der Neurologie – z.B. bei post-Stroke-Spastik, Dystonien oder chronischer Migräne. Leitlinien empfehlen insbesondere bei Spastik eine frühe und ausreichend dosierte Behandlung, um Schmerzen, Kontrakturen und Funktionsverlust zu reduzieren. Trotzdem zeigt die Realität: Viele Patient:innen erhalten BoNT-A zu selten oder gar nicht.
Diese Arbeit nutzt Deutschland als Fallbeispiel und stellt eine zentrale Frage:
Liegt die Versorgungslücke an mangelnder Erreichbarkeit – oder an strukturellen Barrieren trotz guter Infrastruktur?
„Botulinumtoxin in Deutschland: Zugang ist da – Versorgungslücke bleibt“ weiterlesenBlutbasierte Biomarker bei Karotisstenose – ein neuer Baustein für die Schlaganfallprävention?
Die Behandlung von Karotisstenosen bleibt eines der spannendsten und gleichzeitig schwierigsten Themen in der vaskulären Neurologie und Gefäßmedizin. Besonders bei asymptomatischen Stenosen ist die klinische Entscheidung oft komplex: Wer profitiert wirklich von einer Revaskularisation – und bei wem ist eine konsequente medikamentöse Therapie ausreichend? Genau hier setzt eine aktuelle Arbeit an und bringt einen sehr interessanten Gedanken in die Diskussion ein: Können Blutmarker für neuronalen Schaden helfen, das individuelle Risiko besser einzuordnen?
„Blutbasierte Biomarker bei Karotisstenose – ein neuer Baustein für die Schlaganfallprävention?“ weiterlesenGehirn-Computer-Schnittstelle bei MS – neue Impulse für die Gangrehabilitation
Eine aktuelle Studie zeigt einen spannenden Ansatz für die Rehabilitation bei Multipler Sklerose (MS): den Einsatz einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer Interface, BCI) in Kombination mit funktioneller Elektrostimulation (FES) und virtuellem Feedback. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich Gehfähigkeit und Mobilität auch bei Menschen mit moderater bis höherer Behinderung durch ein gezieltes, technologiegestütztes Training verbessern lassen – und zwar ohne klassisches, körperlich sehr belastendes Gangtraining.
„Gehirn-Computer-Schnittstelle bei MS – neue Impulse für die Gangrehabilitation“ weiterlesenMS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln
Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) treten komorbide Autoimmunerkrankungen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung – besonders relevant ist dabei die rheumatoide Arthritis (RA). Genau diese Kombination stellt die Behandlung oft vor ein Dilemma: Einige Immuntherapien wirken bei beiden Erkrankungen sinnvoll, andere helfen nur bei einer und können die jeweils andere sogar verschlechtern. Der Beitrag im Deutschen Ärzteblatt zeigt sehr anschaulich, wie wichtig eine differenzierte Therapieauswahl bei MS und RA ist.
„MS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln“ weiterlesenSchlaganfall: Minuten zählen – und Telemedizin kann Wege verkürzen
Bei einem Schlaganfall entscheidet oft jede Minute über den Verlauf: Je schneller die Diagnose gestellt und die Therapie begonnen wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden – und desto besser sind die Chancen auf eine gute Erholung.
In einer aktuellen Studie haben wir untersucht, wie gut Menschen in Deutschland zeitkritische Schlaganfallversorgung erreichen können – und ob ein telemedizinisch gestützter Ansatz die Versorgung beschleunigen könnte.
„Schlaganfall: Minuten zählen – und Telemedizin kann Wege verkürzen“ weiterlesenSmartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert
Smartwatches sind längst keine reinen Lifestyle-Gadgets mehr. Viele Patientinnen und Patienten bringen bereits Daten zu Schritten, Schlaf und Herzfrequenz mit in die Sprechstunde – nur bleibt oft unklar, was davon klinisch wirklich belastbar ist. In unserem neuen Open-Access-Case-Report im Journal of Central Nervous System Disease (online seit 11. Februar 2026) haben wir deshalb keine „perfekte“ digitale Endpoint-Studie gebaut, sondern etwas, das in der Praxis häufig fehlt: eine Sammlung konkreter Fälle, die zeigen, wie Remote Patient Monitoring (RPM) mit Consumer-Wearables in der Neurologie tatsächlich funktioniert – und wo es einen in die Irre führen kann.
„Smartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert“ weiterlesenNeurologische Nebenwirkungen von Immuncheckpoint-Inhibitoren – was in der Praxis wirklich zählt
Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) haben die Behandlung vieler fortgeschrittener Tumorerkrankungen in den letzten 15 Jahren grundlegend verändert. Bei Erkrankungen wie metastasiertem malignem Melanom oder bestimmten Lungenkarzinomen ist heute in vielen Fällen eine langfristige Tumorkontrolle möglich, wo früher die Prognose oft nur wenige Monate betrug. ICI sind inzwischen zentrale Säulen der Tumorimmuntherapie, mit zahlreichen zugelassenen Präparaten und vielen onkologischen Indikationen. Ihre Wirkung beruht auf der Blockade hemmender Immuncheckpoints, die im physiologischen Zustand überschießende Immunreaktionen verhindern. Zu den wichtigsten Zielstrukturen zählen CTLA-4, PD-1 und PD-L1. Durch die Blockade dieser Signalwege wird die T-Zell-Antwort verstärkt und die körpereigene Fähigkeit zur Tumorzell-Elimination gesteigert.
„Neurologische Nebenwirkungen von Immuncheckpoint-Inhibitoren – was in der Praxis wirklich zählt“ weiterlesenMeningovascular Inflammation in Cerebral Amyloid Angiopathy-Related Cortical Superficial Siderosis
Bei zerebraler Amyloidangiopathie, kurz CAA, denkt man klassischerweise an eine eher „stille“ Gefäßerkrankung des höheren Lebensalters: Beta-Amyloid lagert sich in den Wänden kortikaler und leptomeningealer Gefäße ab, die Gefäße werden fragil, und das Risiko für lobäre Hirnblutungen steigt. Entzündung spielt in diesem Bild traditionell nur eine Nebenrolle – außer bei der seltenen, klar definierten CAA-assoziierten Entzündung (CAA-ri), die mit akuten neurologischen Symptomen und markanten MRT-Veränderungen einhergeht. Eine neue Fallserie rückt dieses Verständnis nun deutlich zurecht und zeigt: Auch hinter der kortikalen superfiziellen Siderose (cSS), einem bekannten Blutungsmarker bei CAA, steckt offenbar viel häufiger eine bislang unterschätzte meningovaskuläre Entzündung.
„Meningovascular Inflammation in Cerebral Amyloid Angiopathy-Related Cortical Superficial Siderosis“ weiterlesenOcrelizumab Stop – und dann?
In der MS-Therapie wird zunehmend diskutiert, ob und wann man hochwirksame B-Zell-depletierende Therapien wie Ocrelizumab zeitweise pausieren oder beenden kann. Hintergrund sind vor allem Sicherheitsaspekte wie kumulierende Infektanfälligkeit und Hypogammaglobulinämie, aber auch praktische Fragen aus der Pandemiezeit. Gleichzeitig ist die Evidenzlage zur optimalen Strategie nach Absetzen bislang begrenzt gewesen: Viele Arbeiten waren retrospektiv, heterogen in den Populationen und hatten kurze Nachbeobachtungszeiten. Genau hier setzt eine aktuelle prospektive, zwei-zentrige Kohortenstudie aus Deutschland an, die untersucht, wie häufig Krankheitsaktivität nach Ocrelizumab-Absetzen wieder auftritt und ob sich das Risiko für schubunabhängige Progression verändert.
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