In einer aktuellen Studie unter der Federführung des Marburg-Münster-Netzwerks, an der auch wir beteiligt waren, wurde untersucht, ob ein höherer Body-Mass-Index (BMI) mit Veränderungen der strukturellen Hirnvernetzung zusammenhängt – und ob sich dieser Zusammenhang zwischen gesunden Menschen und Patientinnen und Patienten mit Major Depression unterscheidet. Grundlage waren Daten von insgesamt 1.598 Teilnehmenden, darunter 746 Personen mit Depression und 852 gesunde Kontrollen. Mithilfe diffusiongewichteter MRT-Daten und Traktographie wurde das strukturelle Konnektom des Gehirns analysiert, also das Netzwerk der weißen Substanzverbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen.
Dabei zeigte sich, dass ein höherer BMI mit Veränderungen in einem größeren Teilnetzwerk des Gehirns assoziiert war. Genauer war ein steigender BMI mit einer erhöhten Konnektivität innerhalb dieses Netzwerks verbunden. Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang sowohl bei gesunden Teilnehmenden als auch bei Menschen mit Depression in vergleichbarer Weise nachweisbar war. Das spricht dafür, dass Körpergewicht einen eigenständigen Zusammenhang mit der Hirnstruktur hat, der nicht allein durch eine psychiatrische Diagnose erklärt werden kann.
Zusätzlich zeigte sich, dass ein höherer BMI über die gesamte Stichprobe hinweg auch mit stärker ausgeprägter depressiver Symptomatik und mehr Anhedonie verbunden war. Gleichzeitig fand sich jedoch kein Hinweis darauf, dass die beobachteten Veränderungen der Hirnvernetzung diese Symptome unabhängig erklären. Nach statistischer Berücksichtigung des BMI bestand kein belastbarer Zusammenhang mehr zwischen der Konnektivität des identifizierten Netzwerks und der klinischen Symptomschwere.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass Körpergewicht ein relevanter biologischer Faktor für die strukturelle Organisation des Gehirns ist – sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Patientinnen und Patienten mit Depression. Zugleich zeigen sie, dass die Beziehung zwischen BMI, Gehirnvernetzung und depressiver Symptomatik komplex bleibt und weiter untersucht werden muss.

