Wenn Schübe seltener werden: Warum sich MS-Studien verändern müssen

In den vergangenen Jahren haben mehrere vielversprechende Therapieansätze bei Multipler Sklerose (MS) in großen klinischen Studien ihren primären Endpunkt nicht erreicht. Der erhoffte Nachweis einer Überlegenheit gegenüber einer etablierten Behandlung blieb aus. Solche Ergebnisse werfen Fragen auf: War die neue Therapie weniger wirksam als erwartet? Oder haben sich auch die Bedingungen verändert, unter denen wir ihre Wirksamkeit untersuchen?

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EBV reactivation priming of the peripheral immune system in multiple sclerosis relapse

Das Epstein-Barr-Virus, kurz EBV, gilt inzwischen als einer der wichtigsten Umweltfaktoren für die Entstehung der Multiplen Sklerose. Fast alle Menschen mit MS waren zuvor mit EBV infiziert, und große Langzeitstudien sprechen dafür, dass eine EBV-Infektion eine wichtige Voraussetzung für die spätere Krankheitsentwicklung sein kann. Weniger klar war bislang allerdings, ob EBV auch bei einzelnen MS-Schüben eine Rolle spielt.

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Neue McDonald-Kriterien 2024 ermöglichen frühere MS-Diagnose mit etablierter Routinediagnostik

In einer gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Hannover durchgeführten prospektiven Studie in eClinicalMedicine haben wir untersucht, welchen Einfluss die 2024 revidierten McDonald-Kriterien auf die frühe Diagnose der Multiplen Sklerose (MS) haben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie gut sich die neuen Kriterien mit bereits etablierten diagnostischen Verfahren wie MRT, Liquoruntersuchung und visuell evozierten Potenzialen (VEP) anwenden lassen. Neue MRT-Marker wie Central Vein Sign oder paramagnetische Randläsionen sowie die optische Kohärenztomographie wurden dabei nicht systematisch berücksichtigt.

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IL-6 bei Multipler Sklerose unter Ocrelizumab: Was sagt ein einzelner Blutwert wirklich aus?

Biomarker sollen bei Multipler Sklerose idealerweise dabei helfen, Krankheitsaktivität frühzeitig zu erkennen, Therapieansprechen einzuschätzen und individuelle Verläufe besser vorherzusagen. Besonders interessant sind dabei Marker, die eng mit relevanten immunologischen Signalwegen verbunden sind. Interleukin-6, kurz IL-6, ist ein solcher Kandidat. Das Zytokin beeinflusst unter anderem die B-Zell-Differenzierung, fördert proinflammatorische Th17-Antworten und hemmt regulatorische T-Zell-Funktionen. Gerade im Kontext einer B-Zell-depletierenden Therapie wie Ocrelizumab liegt deshalb die Frage nahe, ob IL-6 im Blut etwas darüber aussagen kann, welche Patientinnen und Patienten langfristig stabil bleiben und wer trotz Therapie Krankheitsaktivität entwickelt.

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Advances in multiple sclerosis

Ein aktueller Review im New England Journal of Medicine fasst die wesentlichen Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Multiplen Sklerose zusammen – und zeichnet dabei ein Bild der Erkrankung, das sich deutlich vom klassischen Verständnis unterscheidet. Der von Stephen L. Hauser verfasste Beitrag stellt insbesondere die zunehmende Bedeutung der Progression unabhängig von Schubaktivität, die zentrale Rolle von B-Zellen und Epstein-Barr-Virus sowie die Entwicklung hin zu einer frühen Hocheffizienztherapie heraus.

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Rauchen beschleunigt die MS-Progression – neue Daten aus der NationMS-Kohorte

Eine aktuelle Auswertung der prospektiven deutschen NationMS-Kohorte untersucht den Einfluss von Rauchen und Alkoholkonsum auf die Krankheitsprogression bei früher Multipler Sklerose. Eingeschlossen wurden 1.374 zunächst therapienaive Patientinnen und Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom oder schubförmig-remittierender MS, die über bis zu sechs Jahre nachbeobachtet wurden. Neben der Behinderung anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS) wurden die Gehfähigkeit mittels Timed 25-Foot Walk (T25FW), kognitive Funktionen anhand des PASAT sowie MRT-Parameter wie T2-Läsionslast und gadoliniumaufnehmende Läsionen untersucht.

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Ein älteres Gehirn bei MS – und warum BrainAGE und NfL unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abbilden

Wie alt ist ein Gehirn wirklich? Diese Frage lässt sich inzwischen nicht mehr nur anhand des Geburtsdatums beantworten. Mithilfe von Machine-Learning-Modellen kann aus einer strukturellen MRT-Aufnahme ein sogenanntes „brain-predicted age“ berechnet werden. Die Differenz zwischen diesem vorhergesagten Gehirnalter und dem tatsächlichen chronologischen Alter wird als Brain Age Gap Estimate, kurz BrainAGE, bezeichnet. Ein positiver BrainAGE-Wert bedeutet, dass das Gehirn strukturell älter erscheint, als es dem Lebensalter entsprechend zu erwarten wäre.

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KI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung

Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend Teil medizinischer Versorgung. Gerade in datenintensiven chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) liegt das Potenzial auf der Hand: KI kann helfen, klinische Informationen zu strukturieren, Symptome longitudinal zu erfassen, Monitoring zwischen Visiten zu unterstützen und perspektivisch auch komplexe Entscheidungen vorzubereiten.

Aber eine zentrale Frage wird dabei oft zu spät gestellt: Wollen Patienten das überhaupt – und in welchen Rollen akzeptieren sie KI?

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Geschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?

Frauen erkranken deutlich häufiger an Multipler Sklerose als Männer. Gleichzeitig galt lange die Annahme, dass Männer zwar seltener betroffen sind, dafür aber häufiger einen schwereren Krankheitsverlauf entwickeln. Diese Perspektive hat die Diskussion über geschlechtsspezifische Unterschiede bei MS über Jahre geprägt – sowohl in Bezug auf Krankheitsbeginn und Progression als auch im Hinblick auf Therapieentscheidungen.

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Warum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen

Die Expanded Disability Status Scale, kurz EDSS, ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Instrumente zur Beurteilung von Behinderung bei Multipler Sklerose. Sie wird in klinischen Studien, in der Versorgung und in der Verlaufsbeurteilung eingesetzt. Gerade im mittleren Bereich der Skala, etwa zwischen EDSS 4 und 6, spielt die Gehstrecke eine zentrale Rolle: Wie weit kann eine Patientin oder ein Patient noch gehen, bevor eine Pause notwendig wird?

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