Biomarker sollen bei Multipler Sklerose idealerweise dabei helfen, Krankheitsaktivität frühzeitig zu erkennen, Therapieansprechen einzuschätzen und individuelle Verläufe besser vorherzusagen. Besonders interessant sind dabei Marker, die eng mit relevanten immunologischen Signalwegen verbunden sind. Interleukin-6, kurz IL-6, ist ein solcher Kandidat. Das Zytokin beeinflusst unter anderem die B-Zell-Differenzierung, fördert proinflammatorische Th17-Antworten und hemmt regulatorische T-Zell-Funktionen. Gerade im Kontext einer B-Zell-depletierenden Therapie wie Ocrelizumab liegt deshalb die Frage nahe, ob IL-6 im Blut etwas darüber aussagen kann, welche Patientinnen und Patienten langfristig stabil bleiben und wer trotz Therapie Krankheitsaktivität entwickelt.
„IL-6 bei Multipler Sklerose unter Ocrelizumab: Was sagt ein einzelner Blutwert wirklich aus?“ weiterlesenAdvances in multiple sclerosis
Ein aktueller Review im New England Journal of Medicine fasst die wesentlichen Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Multiplen Sklerose zusammen – und zeichnet dabei ein Bild der Erkrankung, das sich deutlich vom klassischen Verständnis unterscheidet. Der von Stephen L. Hauser verfasste Beitrag stellt insbesondere die zunehmende Bedeutung der Progression unabhängig von Schubaktivität, die zentrale Rolle von B-Zellen und Epstein-Barr-Virus sowie die Entwicklung hin zu einer frühen Hocheffizienztherapie heraus.
„Advances in multiple sclerosis“ weiterlesenRauchen beschleunigt die MS-Progression – neue Daten aus der NationMS-Kohorte
Eine aktuelle Auswertung der prospektiven deutschen NationMS-Kohorte untersucht den Einfluss von Rauchen und Alkoholkonsum auf die Krankheitsprogression bei früher Multipler Sklerose. Eingeschlossen wurden 1.374 zunächst therapienaive Patientinnen und Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom oder schubförmig-remittierender MS, die über bis zu sechs Jahre nachbeobachtet wurden. Neben der Behinderung anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS) wurden die Gehfähigkeit mittels Timed 25-Foot Walk (T25FW), kognitive Funktionen anhand des PASAT sowie MRT-Parameter wie T2-Läsionslast und gadoliniumaufnehmende Läsionen untersucht.
„Rauchen beschleunigt die MS-Progression – neue Daten aus der NationMS-Kohorte“ weiterlesenEin älteres Gehirn bei MS – und warum BrainAGE und NfL unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abbilden
Wie alt ist ein Gehirn wirklich? Diese Frage lässt sich inzwischen nicht mehr nur anhand des Geburtsdatums beantworten. Mithilfe von Machine-Learning-Modellen kann aus einer strukturellen MRT-Aufnahme ein sogenanntes „brain-predicted age“ berechnet werden. Die Differenz zwischen diesem vorhergesagten Gehirnalter und dem tatsächlichen chronologischen Alter wird als Brain Age Gap Estimate, kurz BrainAGE, bezeichnet. Ein positiver BrainAGE-Wert bedeutet, dass das Gehirn strukturell älter erscheint, als es dem Lebensalter entsprechend zu erwarten wäre.
„Ein älteres Gehirn bei MS – und warum BrainAGE und NfL unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abbilden“ weiterlesenKI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend Teil medizinischer Versorgung. Gerade in datenintensiven chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) liegt das Potenzial auf der Hand: KI kann helfen, klinische Informationen zu strukturieren, Symptome longitudinal zu erfassen, Monitoring zwischen Visiten zu unterstützen und perspektivisch auch komplexe Entscheidungen vorzubereiten.
Aber eine zentrale Frage wird dabei oft zu spät gestellt: Wollen Patienten das überhaupt – und in welchen Rollen akzeptieren sie KI?
„KI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung“ weiterlesenGeschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?
Frauen erkranken deutlich häufiger an Multipler Sklerose als Männer. Gleichzeitig galt lange die Annahme, dass Männer zwar seltener betroffen sind, dafür aber häufiger einen schwereren Krankheitsverlauf entwickeln. Diese Perspektive hat die Diskussion über geschlechtsspezifische Unterschiede bei MS über Jahre geprägt – sowohl in Bezug auf Krankheitsbeginn und Progression als auch im Hinblick auf Therapieentscheidungen.
„Geschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?“ weiterlesenWarum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen
Die Expanded Disability Status Scale, kurz EDSS, ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Instrumente zur Beurteilung von Behinderung bei Multipler Sklerose. Sie wird in klinischen Studien, in der Versorgung und in der Verlaufsbeurteilung eingesetzt. Gerade im mittleren Bereich der Skala, etwa zwischen EDSS 4 und 6, spielt die Gehstrecke eine zentrale Rolle: Wie weit kann eine Patientin oder ein Patient noch gehen, bevor eine Pause notwendig wird?
„Warum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen“ weiterlesenMS-Therapie neu denken: Was kommt nach Anti-CD20?
Anti-CD20-Therapien wie Ocrelizumab haben die Behandlung der Multiplen Sklerose deutlich verändert. Sie unterdrücken fokale entzündliche Krankheitsaktivität sehr effektiv und gehören heute zu den wichtigsten hochwirksamen Therapieoptionen. Gleichzeitig wird im klinischen Alltag immer deutlicher: Eine dauerhafte B-Zell-Depletion ist nicht ohne Preis. Mit zunehmender Behandlungsdauer rücken Hypogammaglobulinämie, wiederkehrende Infektionen, eingeschränkte Impfantworten und altersbedingte Vulnerabilität stärker in den Vordergrund.
„MS-Therapie neu denken: Was kommt nach Anti-CD20?“ weiterlesenAnti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich
Anti-CD20-Therapien sind aus der modernen Neuroimmunologie nicht mehr wegzudenken. Sie werden insbesondere bei Multipler Sklerose, aber auch bei weiteren neuroimmunologischen Erkrankungen eingesetzt. Während der gemeinsame therapeutische Ansatz – die Depletion von CD20-positiven B-Zellen – gut etabliert ist, bleiben direkte Real-World-Vergleiche zwischen den einzelnen Substanzen weiterhin klinisch relevant. Eine neue Studie in Frontiers in Immunology vergleicht nun Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab hinsichtlich Wirksamkeit, Infektionsrisiko, Immunglobulinveränderungen und zellulären Immunprofilen.
„Anti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich“ weiterlesenDepression als unterschätzter Kostenfaktor bei NMOSD
Eine neue multizentrische Studie der Neuromyelitis Optica Study Group (NEMOS) zeigt, dass depressive Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) nicht nur häufig auftreten, sondern auch einen wesentlichen sozioökonomischen Kostenfaktor darstellen.
„Depression als unterschätzter Kostenfaktor bei NMOSD“ weiterlesen
