Die Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose mit Polyneuropathie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Für die seltene, aber unbehandelt kontinuierlich fortschreitende Erkrankung stehen inzwischen mehrere krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung. Ein in Neurological Research and Practice veröffentlichter Expertenkonsensus der Deutschen Gesellschaft für Amyloid-Krankheiten (DGAK) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ordnet die aktuelle Evidenz nun für die Versorgung in Deutschland ein und gibt konkrete Empfehlungen zur Auswahl, Kontrolle und Anpassung der Therapie.
„Neue Therapieempfehlungen bei hereditärer Transthyretin-Amyloidose: Was sich für Patienten mit Polyneuropathie ändert“ weiterlesenRauchen beschleunigt die MS-Progression – neue Daten aus der NationMS-Kohorte
Eine aktuelle Auswertung der prospektiven deutschen NationMS-Kohorte untersucht den Einfluss von Rauchen und Alkoholkonsum auf die Krankheitsprogression bei früher Multipler Sklerose. Eingeschlossen wurden 1.374 zunächst therapienaive Patientinnen und Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom oder schubförmig-remittierender MS, die über bis zu sechs Jahre nachbeobachtet wurden. Neben der Behinderung anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS) wurden die Gehfähigkeit mittels Timed 25-Foot Walk (T25FW), kognitive Funktionen anhand des PASAT sowie MRT-Parameter wie T2-Läsionslast und gadoliniumaufnehmende Läsionen untersucht.
„Rauchen beschleunigt die MS-Progression – neue Daten aus der NationMS-Kohorte“ weiterlesenWas haben Ionenkanäle mit Neuroimmunologie zu tun?
Ionenkanäle sind mehr als Poren
Ionenkanäle kennt man vor allem als winzige Poren in der Zellmembran. Durch sie können elektrisch geladene Teilchen wie Natrium, Kalium, Calcium oder Chlorid in eine Zelle hinein- oder aus ihr herausströmen. Diese Ströme sind für zahlreiche grundlegende Funktionen unseres Körpers entscheidend. Im Nervensystem ermöglichen sie die elektrische Erregbarkeit von Nervenzellen, in Muskelzellen steuern sie die Kontraktion, und auch Immunzellen nutzen Ionenkanäle für Aktivierung, Bewegung und Kommunikation. Lange Zeit wurde die Funktion dieser Proteine daher vor allem über ihre Leitfähigkeit verstanden: Ein Kanal öffnet sich, Ionen fließen, ein biologisches Signal entsteht. In einem aktuellen Review in Current Opinion in Immunology zeigen wir jedoch, dass dieses klassische Bild zu kurz greift. Ionenkanäle können weit mehr sein als reine Durchgänge durch die Zellmembran. Sie können als molekulare Gerüste dienen, lokale Signalräume organisieren, an bestimmten Orten innerhalb der Zelle wirken und teilweise sogar größere Botenstoffe transportieren.
„Was haben Ionenkanäle mit Neuroimmunologie zu tun?“ weiterlesenAutoimmune limbische Enzephalitis: Warum Zeitpunkt und Immunprofil bei Rituximab entscheidend sein könnten
Krampfanfälle gehören zu den häufigsten und klinisch relevantesten Symptomen einer autoimmunen limbischen Enzephalitis. Sie können die akute Krankheitsphase prägen, langfristig fortbestehen und sich zu einer autoimmun-assoziierten Epilepsie entwickeln. Umso wichtiger ist die Frage, welche Patientinnen und Patienten von einer Immuntherapie profitieren – und wann der richtige Zeitpunkt für eine Eskalation der Behandlung ist.
Eine neue, im Juli 2026 in iScience veröffentlichte Studie aus Münster liefert hierzu wichtige Hinweise. Untersucht wurden 107 Erwachsene mit autoimmuner limbischer Enzephalitis und epileptischen Anfällen, die über mindestens zwölf Monate nachbeobachtet worden waren. Im Mittelpunkt stand Rituximab, ein gegen CD20-positive B-Zellen gerichteter Antikörper, der häufig als Eskalationstherapie eingesetzt wird.
„Autoimmune limbische Enzephalitis: Warum Zeitpunkt und Immunprofil bei Rituximab entscheidend sein könnten“ weiterlesenEin älteres Gehirn bei MS – und warum BrainAGE und NfL unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abbilden
Wie alt ist ein Gehirn wirklich? Diese Frage lässt sich inzwischen nicht mehr nur anhand des Geburtsdatums beantworten. Mithilfe von Machine-Learning-Modellen kann aus einer strukturellen MRT-Aufnahme ein sogenanntes „brain-predicted age“ berechnet werden. Die Differenz zwischen diesem vorhergesagten Gehirnalter und dem tatsächlichen chronologischen Alter wird als Brain Age Gap Estimate, kurz BrainAGE, bezeichnet. Ein positiver BrainAGE-Wert bedeutet, dass das Gehirn strukturell älter erscheint, als es dem Lebensalter entsprechend zu erwarten wäre.
„Ein älteres Gehirn bei MS – und warum BrainAGE und NfL unterschiedliche Aspekte der Erkrankung abbilden“ weiterlesenKI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend Teil medizinischer Versorgung. Gerade in datenintensiven chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) liegt das Potenzial auf der Hand: KI kann helfen, klinische Informationen zu strukturieren, Symptome longitudinal zu erfassen, Monitoring zwischen Visiten zu unterstützen und perspektivisch auch komplexe Entscheidungen vorzubereiten.
Aber eine zentrale Frage wird dabei oft zu spät gestellt: Wollen Patienten das überhaupt – und in welchen Rollen akzeptieren sie KI?
„KI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung“ weiterlesenGeschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?
Frauen erkranken deutlich häufiger an Multipler Sklerose als Männer. Gleichzeitig galt lange die Annahme, dass Männer zwar seltener betroffen sind, dafür aber häufiger einen schwereren Krankheitsverlauf entwickeln. Diese Perspektive hat die Diskussion über geschlechtsspezifische Unterschiede bei MS über Jahre geprägt – sowohl in Bezug auf Krankheitsbeginn und Progression als auch im Hinblick auf Therapieentscheidungen.
„Geschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?“ weiterlesenWarum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen
Die Expanded Disability Status Scale, kurz EDSS, ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Instrumente zur Beurteilung von Behinderung bei Multipler Sklerose. Sie wird in klinischen Studien, in der Versorgung und in der Verlaufsbeurteilung eingesetzt. Gerade im mittleren Bereich der Skala, etwa zwischen EDSS 4 und 6, spielt die Gehstrecke eine zentrale Rolle: Wie weit kann eine Patientin oder ein Patient noch gehen, bevor eine Pause notwendig wird?
„Warum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen“ weiterlesenLow-grade Inflammation und kortikale Atrophie bei psychiatrischen Erkrankungen
Periphere Entzündungsprozesse rücken in der psychiatrischen Forschung zunehmend in den Fokus. Eine neue Studie in Brain, Behavior, and Immunity untersucht, ob niedriggradige systemische Entzündung, gemessen über hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP), mit strukturellen Veränderungen der Hirnrinde verbunden ist – und ob dieser Zusammenhang diagnoseabhängig ist oder vielmehr eine gemeinsame, transdiagnostische Vulnerabilität widerspiegelt.
„Low-grade Inflammation und kortikale Atrophie bei psychiatrischen Erkrankungen“ weiterlesenAnti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich
Anti-CD20-Therapien sind aus der modernen Neuroimmunologie nicht mehr wegzudenken. Sie werden insbesondere bei Multipler Sklerose, aber auch bei weiteren neuroimmunologischen Erkrankungen eingesetzt. Während der gemeinsame therapeutische Ansatz – die Depletion von CD20-positiven B-Zellen – gut etabliert ist, bleiben direkte Real-World-Vergleiche zwischen den einzelnen Substanzen weiterhin klinisch relevant. Eine neue Studie in Frontiers in Immunology vergleicht nun Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab hinsichtlich Wirksamkeit, Infektionsrisiko, Immunglobulinveränderungen und zellulären Immunprofilen.
„Anti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich“ weiterlesen
