Fumarate wie Dimethylfumarat (DMF) und Diroximelfumarat (DRF) gehören seit Jahren fest ins Portfolio der MS-Therapie. Dass sie Entzündungen dämpfen und das ZNS schützen können, ist bekannt – aber wie genau dieser Schutz auf Zellebene aussieht, war bislang nur teilweise klar. Eine aktuelle experimentelle Arbeit bringt nun einen spannenden Mechanismus ins Spiel: den Schutz vor Ferroptose.
Ferroptose ist eine Form des programmierten Zelltods, die stark von Eisen und Lipidperoxidation abhängt. Gerade Myelin und Oligodendrozyten sind anfällig für oxidativen Stress – also genau die Strukturen, die bei MS immer wieder unter Beschuss geraten. In verschiedenen Modellen konnte nun gezeigt werden, dass DRF und sein aktiver Metabolit Monomethylfumarat Myelin und oligodendrogliale Zellen vor ferroptosebedingten Schäden bewahren. Parallel werden zentrale „Anti-Ferroptose“-Akteure hochreguliert, etwa GPX4, HMOX1, FSP1, SLC7A11 und Ferritin. Kurz gesagt: Fumarate schalten Schutzprogramme an, die Eisen-getriebene Membranschäden begrenzen.
Wichtig ist, dass dieser Effekt nicht nur ein Artefakt aus der Zellkultur ist. In Tiermodellen unter DMF-Therapie steigen die GPX4-Spiegel in weißer und grauer Substanz, und auch bei MS-Patientinnen und -Patienten lässt sich unter Fumaratbehandlung eine verstärkte Expression anti-ferroptotischer Gene in peripheren Immunzellen nachweisen. In anderen Erkrankungen (z.B. rheumatoider Arthritis) ließ sich das so nicht replizieren – ein Hinweis darauf, dass es sich um einen kontext- und organspezifischen Mechanismus handeln könnte.
Für den klinischen Alltag ändert das zunächst nichts: Fumarate bleiben, was sie sind – etablierte verlaufsmodifizierende Therapien. Die Studie liefert aber ein wichtiges mechanistisches Puzzleteil: Fumarate aktivieren nicht nur klassische antioxidative Nrf2-Wege, sondern stärken offenbar gezielt anti-ferroptotische Schutzpfade. In einem Krankheitsbild, in dem die Integrität von Myelin und Oligodendrozyten zentral ist, könnte Ferroptose damit zu einem eigenen therapeutischen Ziel werden – und Fumarate wären eines der ersten Beispiele, wie sich neuroinflammatorische Prozesse genau über diese Achse günstig beeinflussen lassen.

