Eine aktuelle Studie zeigt einen spannenden Ansatz für die Rehabilitation bei Multipler Sklerose (MS): den Einsatz einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer Interface, BCI) in Kombination mit funktioneller Elektrostimulation (FES) und virtuellem Feedback. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich Gehfähigkeit und Mobilität auch bei Menschen mit moderater bis höherer Behinderung durch ein gezieltes, technologiegestütztes Training verbessern lassen – und zwar ohne klassisches, körperlich sehr belastendes Gangtraining.
„Gehirn-Computer-Schnittstelle bei MS – neue Impulse für die Gangrehabilitation“ weiterlesenMS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln
Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) treten komorbide Autoimmunerkrankungen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung – besonders relevant ist dabei die rheumatoide Arthritis (RA). Genau diese Kombination stellt die Behandlung oft vor ein Dilemma: Einige Immuntherapien wirken bei beiden Erkrankungen sinnvoll, andere helfen nur bei einer und können die jeweils andere sogar verschlechtern. Der Beitrag im Deutschen Ärzteblatt zeigt sehr anschaulich, wie wichtig eine differenzierte Therapieauswahl bei MS und RA ist.
„MS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln“ weiterlesenSmartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert
Smartwatches sind längst keine reinen Lifestyle-Gadgets mehr. Viele Patientinnen und Patienten bringen bereits Daten zu Schritten, Schlaf und Herzfrequenz mit in die Sprechstunde – nur bleibt oft unklar, was davon klinisch wirklich belastbar ist. In unserem neuen Open-Access-Case-Report im Journal of Central Nervous System Disease (online seit 11. Februar 2026) haben wir deshalb keine „perfekte“ digitale Endpoint-Studie gebaut, sondern etwas, das in der Praxis häufig fehlt: eine Sammlung konkreter Fälle, die zeigen, wie Remote Patient Monitoring (RPM) mit Consumer-Wearables in der Neurologie tatsächlich funktioniert – und wo es einen in die Irre führen kann.
„Smartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert“ weiterlesenOcrelizumab Stop – und dann?
In der MS-Therapie wird zunehmend diskutiert, ob und wann man hochwirksame B-Zell-depletierende Therapien wie Ocrelizumab zeitweise pausieren oder beenden kann. Hintergrund sind vor allem Sicherheitsaspekte wie kumulierende Infektanfälligkeit und Hypogammaglobulinämie, aber auch praktische Fragen aus der Pandemiezeit. Gleichzeitig ist die Evidenzlage zur optimalen Strategie nach Absetzen bislang begrenzt gewesen: Viele Arbeiten waren retrospektiv, heterogen in den Populationen und hatten kurze Nachbeobachtungszeiten. Genau hier setzt eine aktuelle prospektive, zwei-zentrige Kohortenstudie aus Deutschland an, die untersucht, wie häufig Krankheitsaktivität nach Ocrelizumab-Absetzen wieder auftritt und ob sich das Risiko für schubunabhängige Progression verändert.
„Ocrelizumab Stop – und dann?“ weiterlesenPrognostic relevance of MRI in early relapsing multiple sclerosis: ready to guide treatment decision making?
Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und des Rückenmarks spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Überwachung der Multiplen Sklerose (MS). Es gibt überzeugende Beweise dafür, dass MRT-Befunde des Gehirns und des Rückenmarks in frühen Krankheitsstadien auch relevante Einblicke in die individuelle Prognose bieten. Dies umfasst die Vorhersage von Krankheitsaktivität und Krankheitsprogression, die Akkumulation langfristiger Behinderungen und den Übergang zur sekundär progredienten MS.
„Prognostic relevance of MRI in early relapsing multiple sclerosis: ready to guide treatment decision making?“ weiterlesenNicht der Anfang, sondern der Verlauf? Neue Perspektiven auf die Darm-Gehirn-Achse bei MS
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste nicht-traumatische Ursache von Behinderung bei jungen Menschen. Anhaltende Entzündung kann zu fortschreitender Demyelinisierung und nachfolgendem axonalem Schaden führen. Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der MS nicht abschließend geklärt – wahrscheinlich greifen genetische und Umweltfaktoren ineinander. Zu den diskutierten Umweltfaktoren gehören neben Infektionen (z. B. eine Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus) und Störungen des Vitamin-D-Haushalts zunehmend auch Veränderungen der Darm-Gehirn-Achse. Insbesondere das Konzept einer intestinalen Dysbiose ist in den letzten Jahren ins Zentrum des Interesses gerückt.
„Nicht der Anfang, sondern der Verlauf? Neue Perspektiven auf die Darm-Gehirn-Achse bei MS“ weiterlesenTherapieansätze bei MOGAD – von der Akutbehandlung zur langfristigen Strategie
Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD) ist eine seltene, antikörpervermittelte Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die sich klinisch sehr heterogen präsentieren kann – von Optikusneuritis über Myelitis bis zu kortikalen Enzephalitiden. Anders als bei MS oder AQP4-positiver NMOSD existieren bislang keine zugelassenen Langzeittherapien, und viele neurologische Kolleginnen und Kollegen sind bei der Frage nach Akut- und Dauertherapie mit Unsicherheiten konfrontiert. Der aktuelle Übersichtsartikel in Autoimmunity Reviews fasst den Stand der Evidenz zu Akutbehandlung, Steroid-Ausschleichen, Erhaltungstherapie und laufenden Studien zusammen und bietet damit eine gute Orientierung für den klinischen Alltag.
„Therapieansätze bei MOGAD – von der Akutbehandlung zur langfristigen Strategie“ weiterlesenTherapiefreie Remission mit Cladribin-Tabletten – Wie realistisch ist dieses Ziel bei MS?
In der MS-Therapie hat sich in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel vollzogen: weg von der reinen Schubkontrolle hin zu Strategien, die auf eine möglichst langfristige Krankheitsberuhigung, geringere Therapiebelastung und idealerweise therapiefreie Intervalle abzielen. In unserem aktuellen Review in der Journal of Neurology-Serie sind wir der Frage nachgegangen, ob eine therapiefreie Remission mit Cladribin-Tabletten bei Multipler Sklerose ein realistisches Behandlungsziel ist – und für welche Patientengruppen dieser Ansatz in besonderem Maße infrage kommt.
„Therapiefreie Remission mit Cladribin-Tabletten – Wie realistisch ist dieses Ziel bei MS?“ weiterlesenWie Fumarate Nervenzellen schützen könnten – Ferroptose als neues Puzzleteil bei MS
Fumarate wie Dimethylfumarat (DMF) und Diroximelfumarat (DRF) gehören seit Jahren fest ins Portfolio der MS-Therapie. Dass sie Entzündungen dämpfen und das ZNS schützen können, ist bekannt – aber wie genau dieser Schutz auf Zellebene aussieht, war bislang nur teilweise klar. Eine aktuelle experimentelle Arbeit bringt nun einen spannenden Mechanismus ins Spiel: den Schutz vor Ferroptose.
Ferroptose ist eine Form des programmierten Zelltods, die stark von Eisen und Lipidperoxidation abhängt. Gerade Myelin und Oligodendrozyten sind anfällig für oxidativen Stress – also genau die Strukturen, die bei MS immer wieder unter Beschuss geraten. In verschiedenen Modellen konnte nun gezeigt werden, dass DRF und sein aktiver Metabolit Monomethylfumarat Myelin und oligodendrogliale Zellen vor ferroptosebedingten Schäden bewahren. Parallel werden zentrale „Anti-Ferroptose“-Akteure hochreguliert, etwa GPX4, HMOX1, FSP1, SLC7A11 und Ferritin. Kurz gesagt: Fumarate schalten Schutzprogramme an, die Eisen-getriebene Membranschäden begrenzen.
Wichtig ist, dass dieser Effekt nicht nur ein Artefakt aus der Zellkultur ist. In Tiermodellen unter DMF-Therapie steigen die GPX4-Spiegel in weißer und grauer Substanz, und auch bei MS-Patientinnen und -Patienten lässt sich unter Fumaratbehandlung eine verstärkte Expression anti-ferroptotischer Gene in peripheren Immunzellen nachweisen. In anderen Erkrankungen (z.B. rheumatoider Arthritis) ließ sich das so nicht replizieren – ein Hinweis darauf, dass es sich um einen kontext- und organspezifischen Mechanismus handeln könnte.
Für den klinischen Alltag ändert das zunächst nichts: Fumarate bleiben, was sie sind – etablierte verlaufsmodifizierende Therapien. Die Studie liefert aber ein wichtiges mechanistisches Puzzleteil: Fumarate aktivieren nicht nur klassische antioxidative Nrf2-Wege, sondern stärken offenbar gezielt anti-ferroptotische Schutzpfade. In einem Krankheitsbild, in dem die Integrität von Myelin und Oligodendrozyten zentral ist, könnte Ferroptose damit zu einem eigenen therapeutischen Ziel werden – und Fumarate wären eines der ersten Beispiele, wie sich neuroinflammatorische Prozesse genau über diese Achse günstig beeinflussen lassen.
Therapie-Wechsel bei MS: Was bringt der Switch zwischen Anti-CD20-Antikörpern und Cladribin?
Multiplen Sklerose. Beide richten sich in unterschiedlicher Weise gegen B-Zellen und gelten als hochwirksam bei aktiver Erkrankung. Dennoch gibt es immer wieder Patientinnen und Patienten, bei denen trotz dieser Therapien weiterhin Krankheitsaktivität auftritt – oder bei denen die langfristige Sicherheit zum Problem wird, etwa durch Infektionen oder Hypogammaglobulinämie unter langjähriger Anti-CD20-Therapie. Genau hier setzt eine neue multizentrische deutsche Studie an, die den gezielten Wechsel zwischen Anti-CD20 und Cladribin in der Versorgungspraxis untersucht hat.
„Therapie-Wechsel bei MS: Was bringt der Switch zwischen Anti-CD20-Antikörpern und Cladribin?“ weiterlesen
