Muskel-MRT bei Myositiden – was frühe Muster schon verraten

Idiopathische inflammatorische Myopathien sind selten, heterogen und diagnostisch oft anspruchsvoll. Gerade in frühen Krankheitsstadien sind klinische Präsentation, Serologie und auch die histopathologische Einordnung nicht immer sofort eindeutig. In unserer aktuellen Arbeit haben wir uns deshalb die Frage gestellt, welchen Beitrag die Muskel-MRT bereits früh im Krankheitsverlauf leisten kann – nicht nur zur Erkennung einer Myositis, sondern auch zur Differenzierung verschiedener Subtypen.

ür die Studie haben wir 34 Patientinnen und Patienten aus Düsseldorf und Halle mit fünf wichtigen Subgruppen idiopathischer inflammatorischer Myopathien untersucht: Einschlusskörpermyositis, Dermatomyositis, Polymyositis, Antisynthetase-Syndrom und immunvermittelte nekrotisierende Myopathie. Wichtig war uns dabei besonders der frühe Krankheitszeitpunkt – die mediane Krankheitsdauer lag bei nur sieben Monaten. Damit wollten wir bewusst nicht späte Endzustände beschreiben, sondern ein möglichst alltagsnahes diagnostisches Frühstadium abbilden.  

Unsere Daten zeigen, dass MRT-Auffälligkeiten bereits in frühen Stadien sichtbar sind. Gleichzeitig fanden wir deutliche Unterschiede in den Verteilungsmustern zwischen den einzelnen Myositis-Subtypen. Besonders auffällig war, dass beim Antisynthetase-Syndrom und bei der Einschlusskörpermyositis die oberen Extremitäten nur gering betroffen waren. Solche Muster sind klinisch relevant, weil sie helfen können, die Differenzialdiagnose früher zu schärfen – also nicht nur zu erkennen, dass eine entzündliche Myopathie vorliegt, sondern auch, in welche Richtung die weitere Einordnung gehen könnte.  

Ein weiterer wichtiger Befund war, dass die MRT nicht nur strukturelle Veränderungen beschreibt, sondern auch mit der klinischen Schwere korreliert. In unserer Analyse zeigte sich eine signifikante Beziehung zwischen dem Ausmaß der MRT-Pathologie und der Muskelkraft im MMT-8 sowie den CK-Werten. Das spricht dafür, dass die Bildgebung krankheitsrelevante Information transportiert und nicht nur ein morphologisches Nebenprodukt der Diagnostik ist.  

Methodisch haben wir uns bewusst für einen semiquantitativen Ansatz entschieden. Statt einzelne Muskeln isoliert zu bewerten, haben wir funktionelle Muskelgruppen zusammengefasst und die Ausdehnung der Veränderungen auf einer einfachen Skala erfasst. Unser Ziel war dabei weniger, einzelne „Signal-Muskeln“ zu definieren, sondern robuste Muster zu erkennen, die sich auch bei kleinen Fallzahlen und im klinischen Alltag sinnvoll anwenden lassen. Genau dieser Ansatz hat sich aus unserer Sicht als hilfreich erwiesen, um die Heterogenität der Erkrankungen strukturierter zu erfassen.  

Für die Praxis nehmen wir aus der Arbeit vor allem drei Punkte mit: Erstens kann die Muskel-MRT bereits früh im Krankheitsverlauf relevante pathologische Veränderungen sichtbar machen. Zweitens zeigen sich zwischen den Myositis-Subtypen durchaus charakteristische Verteilungsmuster. Und drittens entfaltet die Bildgebung ihren größten Nutzen nicht isoliert, sondern in Kombination mit Klinik, Labor und – wo erforderlich – Histopathologie. Gerade bei unklaren frühen Verläufen kann sie damit eine wichtige Ergänzung im diagnostischen Workflow sein.  

Unsere Arbeit zeigt aus unserer Sicht vor allem eines: Die Muskel-MRT sollte bei frühen idiopathischen inflammatorischen Myopathien stärker als bisher als strukturierte diagnostische Hilfe mitgedacht werden. Sie ersetzt weder die klinische Einordnung noch die übrigen diagnostischen Bausteine, kann aber schon früh wertvolle Hinweise auf subklinische Beteiligung, Krankheitsmuster und Schweregrad liefern. 

Quelle: Leven Y, Kim S, Sanner A, Merzou F, Groppa S, Nelke C, Othman A, Deistung A, Troppa B, Mensch A, Meuth SG, Ruck T, Pawlitzki M. Semi-quantitative analyses of muscle magnetic resonance imaging for pattern recognition in early idiopathic inflammatory myopathies. J Neuromuscul Dis. 2026 Mar 19:22143602261425506. doi: 10.1177/22143602261425506. Epub ahead of print. PMID: 41854350.