Dysphagie und Mangelernährung treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken: Schluckstörungen erschweren die orale Nahrungsaufnahme, während Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty wiederum die Schluckfunktion weiter beeinträchtigen können. Die Folgen sind klinisch relevant – von Aspirationspneumonie, Dehydratation und erhöhter Morbidität bis hin zu reduzierter Lebensqualität und eingeschränkter sozialer Teilhabe. Dennoch fehlt bislang ein einheitlicher Rahmen, der Lebensmittel und Getränke für Menschen mit Dysphagie und Mangelernährung nicht nur hinsichtlich ihrer Textur, sondern auch hinsichtlich ihres Nährwerts und ihrer transparenten Kennzeichnung bewertet.
Genau hier setzt die neue Delphi-Konsensusarbeit zu FOOD-DM an. In einem zweistufigen, internationalen und multidisziplinären Delphi-Prozess wurden Expertinnen und Experten aus Medizin, Sprach- und Schlucktherapie sowie Ernährungswissenschaft einbezogen. Ziel war es, konsensbasierte Kriterien für Lebensmittel und Getränke zu definieren, die für Menschen mit Dysphagie und gleichzeitig bestehendem Risiko für Mangelernährung geeignet erscheinen.
Das finale FOOD-DM-Framework umfasst neun Kriterien in drei zentralen Domänen. Erstens geht es um die Textur: Lebensmittel und Getränke sollen konsistente, für Dysphagie geeignete Texturen aufweisen, klar beschrieben werden, individuell anpassbar sein und objektiv messbare Textureigenschaften besitzen. Dabei wird ein kombinierter Ansatz aus dem klinisch etablierten IDDSI-System und quantitativen rheologischen Messungen in SI-Einheiten als besonders sinnvoll diskutiert. Zweitens berücksichtigt FOOD-DM die Ernährungszusammensetzung, insbesondere die Verfügbarkeit hochkalorischer und proteinreicher Optionen sowie die Möglichkeit, Kalorien- und Makronährstoffgehalt individuell anzupassen. Drittens betont das Framework die Bedeutung einer transparenten Kennzeichnung, damit Eignung, Zusammensetzung und spezifische Eigenschaften klar nachvollziehbar sind.
Bemerkenswert ist, dass alle neun Kriterien in beiden Delphi-Runden einen stabilen Expertenkonsens erreichten. Insgesamt bewerteten 91 % der Expertinnen und Experten die vorgeschlagenen Maßnahmen als potenziell hilfreich, um den Zugang zu geeigneter Ernährung zu verbessern. Gleichzeitig macht die Arbeit deutlich, dass FOOD-DM kein klinischer Leitlinienersatz ist, sondern zunächst ein expertengestütztes Bewertungs- und Entwicklungsframework. Weitere Studien müssen zeigen, wie zuverlässig, praktikabel und patientenzentriert FOOD-DM in unterschiedlichen Versorgungs- und Alltagssituationen eingesetzt werden kann.
Die Arbeit adressiert damit eine wichtige Lücke zwischen Dysphagietherapie, klinischer Ernährung und Lebensmittelentwicklung. Denn sichere Ernährung darf nicht nur „schluckbar“ sein – sie muss auch nährstoffreich, individuell anpassbar, transparent gekennzeichnet und im Alltag verfügbar sein.

