Eine neue multizentrische Studie der Neuromyelitis Optica Study Group (NEMOS) zeigt, dass depressive Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) nicht nur häufig auftreten, sondern auch einen wesentlichen sozioökonomischen Kostenfaktor darstellen.
In die prospektive Querschnittsstudie wurden 115 NMOSD-Patientinnen und -Patienten aus zwölf deutschen NEMOS-Zentren eingeschlossen. Erfasst wurden Krankheitskosten, Schmerzen, depressive Symptome und Lebensqualität anhand standardisierter Fragebögen. Insgesamt berichteten 77 % der Teilnehmenden über chronische Schmerzen, 56 % zeigten depressive Symptome. Die durchschnittlichen jährlichen Gesamtkosten lagen bei rund 56.000 Euro pro Patientin bzw. Patient.
In der multivariaten Analyse erwiesen sich depressive Symptome – neben neurologischer Behinderung gemessen mittels EDSS und Alter – als unabhängiger Prädiktor der Gesamtkosten. Besonders deutlich war der Zusammenhang mit informellen Pflegekosten, also Unterstützungsleistungen durch Angehörige oder das persönliche Umfeld. Schmerzen waren zwar sehr häufig, zeigten in diesem Modell jedoch keinen unabhängigen Einfluss auf die Gesamtkosten.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass depressive Symptome bei NMOSD systematisch erfasst und behandelt werden sollten. Neben der Verbesserung der Lebensqualität könnte ein frühzeitiges Erkennen und gezieltes Management psychischer Belastungen auch dazu beitragen, informelle Pflegebelastung und sozioökonomische Folgekosten zu reduzieren. Die Studie macht damit deutlich: Eine moderne Versorgung seltener neuroimmunologischer Erkrankungen muss über die reine Kontrolle entzündlicher Krankheitsaktivität hinausgehen und psychische sowie soziale Dimensionen konsequent einbeziehen.

