Liquor-Biomarker könnten Blutungsrisiko bei zerebraler Amyloidangiopathie besser vorhersagen

Die zerebrale Amyloidangiopathie, kurz CAA, ist eine der wichtigsten Ursachen lobärer intrazerebraler Blutungen im höheren Lebensalter. In der klinischen Praxis bleibt dabei eine zentrale Frage oft schwer zu beantworten: Welche Patientinnen und Patienten mit CAA haben ein besonders hohes Risiko, in Zukunft eine symptomatische Blutung zu erleiden? Bisher stützt sich die Risikoeinschätzung vor allem auf MRT-Marker wie kortikale superfizielle Siderose, Mikroblutungen oder bereits stattgehabte intrazerebrale Blutungen. Eine neue Arbeit von Arndt et al., erschienen in Annals of Neurology, erweitert diese Perspektive nun um Liquor-Biomarker der Amyloid-β-Pathologie.

Die Autorinnen und Autoren untersuchten 109 konsekutive Patientinnen und Patienten mit wahrscheinlicher CAA nach den Boston-Kriterien Version 2.0, bei denen im Rahmen der diagnostischen Abklärung Liquor-Amyloidwerte bestimmt worden waren. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von knapp drei Jahren entwickelten 16 Patientinnen und Patienten eine neue intrakranielle Blutung, darunter lobäre intrazerebrale Blutungen, konvexitätsnahe Subarachnoidalblutungen und nicht-traumatische subdurale Blutungen. Niedrige Liquorwerte von Aβ40 und Aβ42 waren dabei unabhängig mit einem deutlich erhöhten Risiko für zukünftige Blutungen assoziiert, auch nach Adjustierung für disseminierte kortikale superfizielle Siderose und vorausgegangene intrazerebrale Blutungen. Die berichteten Effektstärken waren bemerkenswert: Für niedrige Aβ40-Werte lag die Hazard Ratio bei 8,04, für niedrige Aβ42-Werte bei 7,10.

Interessanterweise zeigte sich diese Assoziation spezifisch für hämorrhagische Ereignisse. Für ischämische Schlaganfälle und die Gesamtmortalität fanden die Autorinnen und Autoren keinen entsprechenden Zusammenhang mit den Liquor-Amyloid-Biomarkern. Besonders spannend ist zudem der vorgeschlagene kombinierte Risikoscore, der Liquor-Biomarker mit hämorrhagischen Bildgebungsmarkern integriert. Damit ließ sich eine kleine Hochrisikogruppe identifizieren, in der 7 von 9 Patientinnen und Patienten im Verlauf eine Blutung entwickelten. Umgekehrt blieb eine Niedrigrisikogruppe von 42 Patientinnen und Patienten vollständig ohne Blutungsereignis.

Klinisch ist diese Arbeit relevant, weil sie zeigt, dass die Risikostratifizierung bei CAA möglicherweise nicht bei der Bildgebung stehen bleiben muss. Liquor-Amyloidwerte könnten künftig helfen, das individuelle Blutungsrisiko präziser einzuschätzen – gerade in Situationen, in denen schwierige therapeutische Entscheidungen vom Blutungsrisiko abhängen, etwa bei antithrombotischer Therapie, Verlaufskontrollen oder der Auswahl von Patientinnen und Patienten für präventive Studien. Gleichzeitig sollte die Studie vorsichtig eingeordnet werden: Mit 109 Patientinnen und Patienten und 16 Blutungsereignissen handelt es sich um eine wichtige, aber noch zu validierende Kohorte. Der kombinierte Risikoscore ist vielversprechend, sollte jedoch in unabhängigen Datensätzen bestätigt werden, bevor daraus unmittelbare Routineempfehlungen abgeleitet werden.

Insgesamt liefert die Studie einen starken Hinweis darauf, dass niedrige Liquor-Amyloid-β-Werte bei Patientinnen und Patienten mit CAA nicht nur diagnostisch, sondern auch prognostisch relevant sein könnten. Perspektivisch könnte die Kombination aus MRT-Merkmalen und Liquor-Biomarkern den Weg zu einer stärker individualisierten Risikoeinschätzung bei CAA ebnen.

Quelle: Arndt P, Pfister M, Perosa V, Mattern H, Tas M, Holzheimer L, Engel J, Dörner M, Al-Dubai M, Garz C, Khadhraoui E, Müller SJ, Müller P, Meuth SG, Neumann K, Schreiber S. Cerebrospinal Fluid Amyloid-β Biomarkers Predict Future Hemorrhage in Patients with Cerebral Amyloid Angiopathy. Ann Neurol. 2026 Apr 27. doi: 10.1002/ana.78241. Epub ahead of print. PMID: 42045103.