Schluckstörungen – medizinisch Dysphagie – sind bei vielen neurologischen Erkrankungen ein häufiges und klinisch hoch relevantes Problem. Sie treten unter anderem nach Schlaganfällen, bei Parkinson-Syndromen, neuroimmunologischen Erkrankungen, neuromuskulären Erkrankungen oder im höheren Lebensalter auf. Bleiben sie unerkannt oder werden nicht ausreichend behandelt, kann das schwerwiegende Folgen haben: Mangelernährung, Dehydratation, Aspirationspneumonien, Probleme bei der Medikamenteneinnahme und eine deutlich verminderte Lebensqualität. Umso wichtiger ist eine frühzeitige und verlässliche Diagnostik.
„Schluckdiagnostik in Deutschland: Gute Strukturen im Krankenhaus, große Lücken ambulant“ weiterlesenWas das Ruhe-EEG über Multiple Sklerose verraten könnte
Multiple Sklerose verändert nicht nur das, was sich im MRT zeigt – sondern offenbar auch, wie das Gehirn im Hintergrund arbeitet. Genau das konnten wir in einer aktuellen Studie in Multiple Sclerosis and Related Disorderszeigen. Untersucht wurden Ruhe-EEGs von Menschen mit MS im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Dabei wurde deutlich: Auch wenn ein EEG im klinischen Alltag auf den ersten Blick unauffällig wirken kann, lassen sich mit modernen Analyseverfahren relevante Unterschiede in der Hirnaktivität sichtbar machen.
„Was das Ruhe-EEG über Multiple Sklerose verraten könnte“ weiterlesenBotulinumtoxin in Deutschland: Zugang ist da – Versorgungslücke bleibt
Botulinumtoxin A (BoNT-A) ist eine etablierte, hochwirksame Therapie in der Neurologie – z.B. bei post-Stroke-Spastik, Dystonien oder chronischer Migräne. Leitlinien empfehlen insbesondere bei Spastik eine frühe und ausreichend dosierte Behandlung, um Schmerzen, Kontrakturen und Funktionsverlust zu reduzieren. Trotzdem zeigt die Realität: Viele Patient:innen erhalten BoNT-A zu selten oder gar nicht.
Diese Arbeit nutzt Deutschland als Fallbeispiel und stellt eine zentrale Frage:
Liegt die Versorgungslücke an mangelnder Erreichbarkeit – oder an strukturellen Barrieren trotz guter Infrastruktur?
„Botulinumtoxin in Deutschland: Zugang ist da – Versorgungslücke bleibt“ weiterlesenGehirn-Computer-Schnittstelle bei MS – neue Impulse für die Gangrehabilitation
Eine aktuelle Studie zeigt einen spannenden Ansatz für die Rehabilitation bei Multipler Sklerose (MS): den Einsatz einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer Interface, BCI) in Kombination mit funktioneller Elektrostimulation (FES) und virtuellem Feedback. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich Gehfähigkeit und Mobilität auch bei Menschen mit moderater bis höherer Behinderung durch ein gezieltes, technologiegestütztes Training verbessern lassen – und zwar ohne klassisches, körperlich sehr belastendes Gangtraining.
„Gehirn-Computer-Schnittstelle bei MS – neue Impulse für die Gangrehabilitation“ weiterlesenMS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln
Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) treten komorbide Autoimmunerkrankungen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung – besonders relevant ist dabei die rheumatoide Arthritis (RA). Genau diese Kombination stellt die Behandlung oft vor ein Dilemma: Einige Immuntherapien wirken bei beiden Erkrankungen sinnvoll, andere helfen nur bei einer und können die jeweils andere sogar verschlechtern. Der Beitrag im Deutschen Ärzteblatt zeigt sehr anschaulich, wie wichtig eine differenzierte Therapieauswahl bei MS und RA ist.
„MS und rheumatoide Arthritis gemeinsam behandeln“ weiterlesenSchlaganfall: Minuten zählen – und Telemedizin kann Wege verkürzen
Bei einem Schlaganfall entscheidet oft jede Minute über den Verlauf: Je schneller die Diagnose gestellt und die Therapie begonnen wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden – und desto besser sind die Chancen auf eine gute Erholung.
In einer aktuellen Studie haben wir untersucht, wie gut Menschen in Deutschland zeitkritische Schlaganfallversorgung erreichen können – und ob ein telemedizinisch gestützter Ansatz die Versorgung beschleunigen könnte.
„Schlaganfall: Minuten zählen – und Telemedizin kann Wege verkürzen“ weiterlesenSmartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert
Smartwatches sind längst keine reinen Lifestyle-Gadgets mehr. Viele Patientinnen und Patienten bringen bereits Daten zu Schritten, Schlaf und Herzfrequenz mit in die Sprechstunde – nur bleibt oft unklar, was davon klinisch wirklich belastbar ist. In unserem neuen Open-Access-Case-Report im Journal of Central Nervous System Disease (online seit 11. Februar 2026) haben wir deshalb keine „perfekte“ digitale Endpoint-Studie gebaut, sondern etwas, das in der Praxis häufig fehlt: eine Sammlung konkreter Fälle, die zeigen, wie Remote Patient Monitoring (RPM) mit Consumer-Wearables in der Neurologie tatsächlich funktioniert – und wo es einen in die Irre führen kann.
„Smartwatches in der Neurologie: Was Remote Patient Monitoring schon kann – und wo es (noch) scheitert“ weiterlesenMeningovascular Inflammation in Cerebral Amyloid Angiopathy-Related Cortical Superficial Siderosis
Bei zerebraler Amyloidangiopathie, kurz CAA, denkt man klassischerweise an eine eher „stille“ Gefäßerkrankung des höheren Lebensalters: Beta-Amyloid lagert sich in den Wänden kortikaler und leptomeningealer Gefäße ab, die Gefäße werden fragil, und das Risiko für lobäre Hirnblutungen steigt. Entzündung spielt in diesem Bild traditionell nur eine Nebenrolle – außer bei der seltenen, klar definierten CAA-assoziierten Entzündung (CAA-ri), die mit akuten neurologischen Symptomen und markanten MRT-Veränderungen einhergeht. Eine neue Fallserie rückt dieses Verständnis nun deutlich zurecht und zeigt: Auch hinter der kortikalen superfiziellen Siderose (cSS), einem bekannten Blutungsmarker bei CAA, steckt offenbar viel häufiger eine bislang unterschätzte meningovaskuläre Entzündung.
„Meningovascular Inflammation in Cerebral Amyloid Angiopathy-Related Cortical Superficial Siderosis“ weiterlesenOcrelizumab Stop – und dann?
In der MS-Therapie wird zunehmend diskutiert, ob und wann man hochwirksame B-Zell-depletierende Therapien wie Ocrelizumab zeitweise pausieren oder beenden kann. Hintergrund sind vor allem Sicherheitsaspekte wie kumulierende Infektanfälligkeit und Hypogammaglobulinämie, aber auch praktische Fragen aus der Pandemiezeit. Gleichzeitig ist die Evidenzlage zur optimalen Strategie nach Absetzen bislang begrenzt gewesen: Viele Arbeiten waren retrospektiv, heterogen in den Populationen und hatten kurze Nachbeobachtungszeiten. Genau hier setzt eine aktuelle prospektive, zwei-zentrige Kohortenstudie aus Deutschland an, die untersucht, wie häufig Krankheitsaktivität nach Ocrelizumab-Absetzen wieder auftritt und ob sich das Risiko für schubunabhängige Progression verändert.
„Ocrelizumab Stop – und dann?“ weiterlesenVirus-Specific T Cells and Response to Checkpoint Inhibitors in Progressive Multifocal Leukoencephalopathy
In einer großen multizentrischen Kohortenstudie wurde untersucht, ob sich vor Beginn einer Checkpoint-Inhibitor-Therapie (ICI) bei Patienten mit progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie (PML) im Blut nachweisbare JC-Virus- (JCV) oder BK-Virus- (BKV) spezifische T-Zellen als Biomarker für den Therapieerfolg eignen. PML ist eine lebensbedrohliche demyelinisierende ZNS-Infektion durch Reaktivierung von JCV bei immunsupprimierten Patienten. Da es keine effektiven antiviralen Therapien gibt, hängt die Prognose wesentlich davon ab, die zelluläre Immunität wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund werden zunehmend ICIs wie Pembrolizumab, Nivolumab oder Atezolizumab eingesetzt, um T-Zell-Erschöpfung über die PD-1/PD-L1-Achse zu durchbrechen und antivirale Immunantworten zu reaktivieren. Allerdings sprechen nicht alle Patienten an – prädiktive Marker fehlten bislang.
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