Prognostic relevance of MRI in early relapsing multiple sclerosis: ready to guide treatment decision making?

Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und des Rückenmarks spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Überwachung der Multiplen Sklerose (MS). Es gibt überzeugende Beweise dafür, dass MRT-Befunde des Gehirns und des Rückenmarks in frühen Krankheitsstadien auch relevante Einblicke in die individuelle Prognose bieten. Dies umfasst die Vorhersage von Krankheitsaktivität und Krankheitsprogression, die Akkumulation langfristiger Behinderungen und den Übergang zur sekundär progredienten MS.

Inwieweit diese MRT-Befunde Behandlungsentscheidungen beeinflussen sollten, bleibt Gegenstand laufender Diskussionen. Das Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, das aktuelle Wissen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Nützlichkeit der MRT in frühen MS-Krankheitsstadien für die prognostische Klassifizierung einzelner Patienten darzustellen und zu diskutieren. Darüber hinaus wurden die aktuellen Erkenntnisse darüber, wie die MRT genutzt werden kann, um die Behandlungsreaktion vorherzusagen, diskutiert. Schließlich wurde ein einen möglichen Ansatz vor, wie MRT-Daten in die frühzeitige klinische Entscheidungsfindung kategorisiert und integriert werden können, formuliert.

Die Anzahl und Verteilung bspw. von T2-hyperintensen Läsionen im Gehirn und Rückenmark spielen eine entscheidende Rolle bei der Vorhersage von Krankheitsaktivität, -progression und Behinderung bei MS. Insbesondere das Vorhandensein von mindestens einer solchen Läsion erhöht das Risiko für weitere Krankheitsschübe erheblich. Eine höhere Anzahl von Läsionen, insbesondere über 10, ist mit einem noch höheren Risiko verbunden. Die Lage und Topologie der Läsionen beeinflussen auch das Risiko und den Zeitpunkt von Schüben. Zusätzlich deuten Studien darauf hin, dass die Anzahl vonT2-Läsionen bei MS-Patienten mit zunehmender Zeit mit einer Verschlechterung der klinischen Symptome und einer höheren Wahrscheinlichkeit einer sekundär progredienten MS assoziiert ist. Spinale und infratentorielle Läsionen haben ebenfalls prognostische Bedeutung, insbesondere bei der Vorhersage von Behinderung und dem Übergang zu sekundär progredienter MS. Andere MRT-Befunde wie T1-hypointense Läsionen, gadoliniumaufnehmende Läsionen, Läsionen in der grauen Substanz und Volumenveränderungen des Gehirns und Rückenmarks tragen ebenfalls zur prognostischen Einschätzung bei, obwohl ihre Rolle nicht so gut verstanden ist.

Die frühzeitige Einschätzung des Risikos bei MS ist von großer Bedeutung, da bereits zu Beginn der Krankheit die Inflammation die Grundlage für den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen legt, was unabhängig von Schubaktivitäten zu Behinderungsprogression führen kann. Es werden neue Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, die auf die Aktivierung von Mikroglia abzielen. Frühzeitige und hochwirksame Behandlungen haben gezeigt, dass sie nicht nur Schübe und Demyelinisierung reduzieren können, sondern auch langfristig die Behinderung und den Übergang zu sekundär progredienter MS verhindern können. Dennoch kann selbst bei erfolgreicher Kontrolle von Schüben und Läsionen durch Medikamente ein beschleunigter Abbau des Gehirns und eine fortschreitende Behinderung bestehen bleiben. Dies wirft Zweifel an der Fähigkeit der aktuellen Therapien auf, die schleichende Entzündung und den progressiven neurologischen Verlust zu reduzieren. Viele MS-Spezialisten befürworten daher die frühzeitige Anwendung hochwirksamer Therapien, um langfristige Behinderungen besser zu verhindern. Frühzeitige MRT-Befunde bleiben weiterhin die zuverlässigsten Indikatoren für die mittel- und langfristige Prognose bei MS und sollten daher die Entscheidungen zur ersten Behandlung stark beeinflussen.

Mehr Zum Artikel und einzelnen Diskussionspunkten erfahren Sie hier.